Geschichte

Wasser aus Brunnen

Wie überall in Deutschland sprudelte um die Jahrhundertwende Trinkwasser „von der Hand in den Mund“. Die Wasserversorgung erfolgte durch Brunnen, später durch Handpumpen mit knarrendem Schwengel.

Eigentliche Wasserwerke gab es im ländlichen Bereich zwischen Krefeld und Viersen erst um die Jahrhundertwende.

Es war vor allem die Hygiene, die die alten Hausbrunnen zum Versiegen verurteilte. Nicht selten waren sie nämlich durch häusliche und landwirtschaftliche Abwässer verschmutzt. ein wesentlicher Grund, warum jetzt fachmännisch betriebene Wassergewinnungsanlagen erforderlich waren.

Im heutigen Kreisgebiet gab es schon recht früh Wasserwerke:
– 1898 Lobberich erhielt eine Pumpstation und eine Wasserleitung
– 1906 Wasserwerk Kempen
– 1907 Wasserwerk Kaldenkirchen
– 1910 wurde Breyell ans Lobbericher Werk angeschlossen

1927 bis 1945

Gründung des Wasserwerks

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Wasserturm Fellerhöfe im Bau 1928

Schon vor 1914 hatte man in Willich Probebohrungen unternommen, doch der Erste Weltkrieg brachte dieses Vorhaben zum Erliegen. In der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre verbesserte sich die wirtschaftliche Lage, das Projekt Wasserversorgung erwachte zu neuem Leben.

Jakob Odenthal, bis 1929 Landrat des Kreises Viersen, nahm 1926 mit den Bürgermeistereien Willich, Osterath, Anrath und Fischeln erste Verhandlungen auf, die schließlich am 21.7.1927 zur Gründung der „Wasserwerk des Landkreises Krefeld GmbH“ führten.

Geplant wurde das Wasserwerk vom Düsseldorfer Ingenieur Hermann Ehlert. Doch bevor gebaut wurde, musste zunächst gebohrt werden.

14 Versuchsbohrungen sprachen für den Standort Willich-Fellerhöfe. Am 1. Febraur 1928 begannen die Ausschachtungsarbeiten, im Herbst erreichte der charakteristische Wasserturm seine endgültige Höhe von eta 50 Metern.

Am 1. November 1928 floss das erste Wasserwerks-Wasser durch die 49 Kilometer langen Leitungen und versorgte rund 2.000 Häuser.

Bereits im ersten Jahr bewährte sich die Trinkwasserversorgung, die für eine durchschnittliche Leistung von 600 bis 700 Kubikmetern ausgelegt war: Sie trotze einem extrem kalten Winter und deckte den Bedarf für einen sehr heißen Sommer mit einem Spitzenwert von 1.900 Kubikmetern pro Tag!

1929 war nicht nur der schwarze Freitag an der New Yorker Börse, auch die hiesige Wirtschaft stagnierte. Es wurde kaum noch gebaut, der Wasserabsatz ließ sich nicht steigern, das Wasserwerk schloss seine Bilanz mit einem dicken Verlust ab. Es zeichnete sich ab, dass ein Großabnehmer, das Stahlwerk Becker, bald seinen Betrieb einstellen würde.

Die Gemeinden Anrath, Willich und Osterath gehörten zunächst zum Landkreis Krefeld, wurden jedoch 1929 mit dem alten Kreis Kempen zum neuen Landkreis Kempen-Krefeld zusammengeschlossen.

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Stahlwerk Becker

1930 stieg der Wasserabsatz, denn die Gemeinde Neersen wurde im November 1930 angeschlossen, die Gemeinde Schiefbahn folgte im März 1931.

Das Leitungsnetz erreichte mit einer Länge von fast 67 Kilometern Hauptrohren seinen vorläufigen Höhepunkt. Etwa 2.500 Gebäude wurden versorgt.

1932 stellten das Stahlwerk Becker und der Großabnehmer Ostara, ein Fliesenhersteller, ihren Betrieb ein – ein herber Verlust für das Wasserwerk.

Hoffnungsschimmer

1933 entspannte sich die Wirtschaftskrise, langsam ging es aufwärts.

Eine ungewöhnliche Trockenheit brachte im Sommer 1934 auch die bisher widerstrebenden Hausbesitzer zum Anschluss: Der Grundwasserspiegel sank, die Hausbrunnen versiegten. Der Wasserverbrauch erhöhte sich in diesem Jahr auf etwa eine halbe Million Kubikmeter.

Doch das Wachstum offenbarte auch seine Schattenseiten: Durch die vielen neuen Abnehmer erwiesen sich die Rohre im Querschnitt von 80 mm als zu eng, Die Folge: In Anrath und Neersen, wo die Leitung endete, war aus dem munteren Strom ein müdes Tröpfeln geworden. Deshalb wurde im August 1937 zwischen Willich und Anrath mit dem Bau eines Reservepumpwerks (Grundwasserwerk II Beckershöfe) begonnen und drei Monate später fertig gestellt.

Seine Normalkapazität war auf 70 m³/h ausgelegt, die Spitzenförderung konnte auf 110 m³/h gesteigert werden.

1939 förderte das Hauptwerk Fellerhöfe 464.000 m³, aus dem Zusatzpumpwerk flossen ca. 71.000 m³. Bis zum Beginn des Krieges wurden 3.000 Gebäude versorgt, die Rohrnetzlänge betrug fast 72 Kilometer.

Kriegsspuren

Der Krieg hinterlässt seine Spuren: – Obwohl die Materialbeschaffung in der beginnenden Kriegszeit äußerst schwierig war, wurde in Neersen durch Neuanschlüsse sogar das Rohrnetz noch verlängert. Als 1940/41 die Luftschlacht zu Ende ging, der Russlandfeldzug starke Kräfte im Osten band, überflogen immer häufiger feindliche Bomber das Reichsgebiet.

Als im Februar 1945 die Amerikaner mit ihrer „Operation Grenade“ den Niederrhein von Jülich bis Köln überrollten, kam die Bevölkerung vor Artillerie und Tieffliegern kaum noch aus den Kellern. Bis 1942 wurde das Rohrnetz durch Bombenwurf mehrfach zerstört, allein 42 Hausanschlüsse wurden mit den Häusern vernichtet. Besatzungstruppen bezogen die Räume des Wasserwerks und warfen die Akten hinaus.

So kam es, dass erst 1947 der Geschäftsbericht für die letzten Kriegsjahre 1944/45 und 1946 erstellt werden konnte. Von 1940 bis 1945 war eine Zunahme der Wasserförderung um 200.000 Kubikmeter zu verzeichnen. 1945 wurden insgesamt 705.000 m³ gefördert. Aber die Zunahme floss größtenteils durch die Löcher der zerstörten Leitungen ab: Es ist eben nicht alles Verbrauch, was sprudelt !

Der Sommer 1946 begann mit einer Belastungsprobe: Die Wüstendörre des Sommers ließ die Wasserförderung auf eine Rekordhöhe von knapp 910.000 m³ empor schnellen. Zum 20-jährigen Bestehen im Jahre 1947 konnte das Wasserwerk auf einen Förderungszuwachs von 191 Prozent gegenüber dem ersten Betriebsjahr zurückblicken. Doch der Gewinn hielt sich in Grenzen, denn erst 20 Prozent der Abnehmer besaßen einen Wasserzähler, die meisten bezahlten nur einen Pauschalpreis

1946 bis 1969

Erweiterung und Wachstum

Nach der Währungsreform 1948 nahm die wirtschaftliche Entwicklung der 1949 gegründeten Bundesreüublik einen raschen Verlauf. 1951 endlich war auch für das Wasserwerk die schreckliche Zeit zu Ende. Umfangreiche Instandsetzungs- und Erweiterungsabeiten begannen, der Wasserturm erhielt ein neues Dach, das Hauptwerk Fellerhöfe einen fünften Brunnen, das Rohrnetz war über 85 Kilometer lang.

Fellerhöfe - Sicht vom Wasserturm
Fellerhöfe – Sicht vom Wasserturm

1952 glich der Bau einer zweiten, 250 mm starken und zweieinhalb Kilometer langen Förderleitung den mangelnden Druck in Willich, Schiefbahn und Neersen zunächst aus. Im gleichen Jahr wurde auch die Justizvollzugsanstalt in Anrath an das Wassernetz angeschlossen.

1953 begannen Verhandlungen über den Anschluss der Gemeinde Vorst, dafür wäre jedoch ein Zusatzpumpwerk in Anrath erforderlich gewesen. Noch reichte jedoch die Finanzdecke nicht.

Erst 1954 waren die finaziellen Voraussetzungen geschaffen: Das Wasserwerk III Anrath (Darderhöfe) konnte gebaut werden, und im Mai des folgenden Jahres verstummten schlagartig die Klagen über den zu geringen Wasserdruck in Anrath – aber Vorst hing immer noch nicht an der Leitung.

1957 wurde der Anschluss der Gemeinde Vorst besiegelt. Vorst trat jedoch nicht in die Wasserwerksgesellschaft ein, der Ort schloss vielmehr einen Großabnehmervertrag und baute sein Rohrnetz auf eigene Kosten aus. Anfang 1958 sprudelte also auch Werkswasser im „Kempener Land“, dazu war jedoch mit Vorster Hilfe die Station Darderhöfe um zwei neue Brunnen erweitert worden.

Vergrößert wurde auch das Stammwerk Fellerhöfe. 1957 wurden neue Lager- und Bürogebäude errichtet. Die Erweiterung hatte auch personelle Konsequenzen. Organisation und Technik waren so stark gewachsen, dass ein hauptamtlicher Leiter des Wasserwerks erforderlich war.

Als 1958 Kreisbaurat Franz Jung nach 31 Jahren verdienter Amtsführung die Wasserwerksleitung aus den Händen gab, wurde sein Nachfolger und neuer Wasserwerksdirektor Gerhard Schietzelt, Fachingenieur mit Spezialrichtung Wassergewinnung und Wasserförderung.

Wirtschaftswunder

Die rasche Bevölkerungszunahme durch Zuzug aus benachbarten Städten ließ Willich wachsen: Die ersten „Hochhäuser“ entstanden. Zwischen 1957 und 1967 stieg die Zahl der Abnehmer von 33.000 auf 51.000 (einschließlich Vorst).

Der „Jahrhundersommer“ 1959 brachte zwar einen Rekordanstieg der Wasseförderung und -abnahme, doch die Kehrseite der Medaille lag auf der Hand: der sinkende Grundwasserpegel. Gleichzeitig verringerte sich der Druck in den Osterrather, Neersener und Schiefbahner Rohrleitungen.

Die Kapazitäten des Rohrnetzes und der Wassergewinnungsanlagen erwiesen sich für solche Extremsituationen als zu gering.

Das Wasserwerk handelte schnell: Es wurden neue Rohrleitungen verlegt, und im Wasserwerk Anrath wurde ein zusätzlicher Brunnen gebaut, im Hauptwerk Fellerhöfe wurden in den Jahren 1960/61 zwei weitere Brunnen in Betrieb genommen.

Dies alles war möglich, weil der Dürresommer natürlich auch einen Geldsegen beschert hatte, denn die Förderung erhöhte sich auf 1,8 Milionen Kubikmeter!

1960 wurde auch das Werk Fellerhöfe grundüberholt, der weitere Einbau von Wasserzählern bei den Abnehmern ermöglichte eine korrekte Abrechnung und erhöhte den Betriebsgewinn.

Das Labor "in alten Zeiten"
Das Labor „in alten Zeiten“

1962 wurde ein Labor zur Wasseranalyse errichtet, in den Jahren 1963 bis 1965 wurde die Aufbereitungsanlage in Anrath erweitert. 1965 wurde das WasserwerkIV (Franzenszollhaus) mit einem Brunnen gebaut, denn in Osterath war ein Baugebiet für 219 Häuser geplant. Außerdem wurde eine Verbindungsleitung von Anrath nach Osterath verlegt. Sie solle zwei Aufgaben erfüllen: den Druck erhöhen und – mit entsprechenden Abzweigungen auf dem 14 km langen Weg – ein Verbundnetz entstehen lassen.

1966 war der zweite Bauabschnitt vollendet, der dritte Abschnitt von Dickerheide bis Fellerhöfe wurde wegen gestiegener Kosten erst 1968 fertig gestellt. Diese Verbundleitung bietet die Möglichkeit, je nach Bedarf, Zubringerleitungen zu den einzelnen Verbrauchsschwerpunkten abzuzweigen.

1965 war auch die Modernisierung des kleinsten der vier Wasserwerke nötig: Beckershöfe. Dank neuer Anlagentechnik wurde die Kapazität auf 45 auf 70 m³/h erhöht. Im gleichen Jahr gab es einen Grund zu feiern: 93,33 Prozent aller im Versorgungsgebiet ansässigen EInwohner wurden mit Trinkwasser vom Wasserwerk des Kreises Viersen versorgt.

Anschluss Lank

Wasseranschluß eines Neubaugebietes
Wasseranschluß eines Neubaugebietes

Nach der Versorgung der Gemeinde Vorst erfolgte im Jahre 1962 – als zweite Gemeinde außerhalb des eigentlichen Versorgungsgebietes – das Amt Lank mit einem Wasserlieferungsvertrag.

Laut Vertrag sollte das Wasser bis 1982 fließen. Um diese Vereinbarungen erfüllen zu können, mussten die technischen Voraussetzungen dazu geschaffen werden. im Werk IV (Osterath) wurde ein Brunnen mit einer Stundenleistung von 200 Kubikmetern errichtet, außerdem eine Ringleitung um Osterath.

Doch schon im Jahre 1966 stellte das Amt Lank abweichend vom Vertrag ein eigenes Wasserwerk fertig und fiel daher seit Juni des gleichen Jahres als Abnehmer aus. Bis zu dieser Zeit waren jährlich bis zu 59.000 m³ geflossen.

Doch dieser Verlust wurde durch Neuanschlüsse und Abnahmesteigerung in den anderen Gemeinden mehr als ausgeglichen.

Kostenexplosion

Probeentnahme am Förderbrunnen Werk Osterath
Probeentnahme am Förderbrunnen Werk Osterath

Sollten die fetten Jahre vorüber sein ?

Der kontinuierliche Ausbau der Förderkapazitäten und des Leitungsnetzes (nach ehemals 80 mm Durchmesser wurden jetzt Leitungen mit 500 mm Durchmesser verlegt!) verursachte enorm hohe Investitionen .

In den letzten zehn Jahren waren die Lohn- und Gehaltskosten um etwa 100 Prozent gestiegen, was natürlich Auswirkungen auf den Wasserpreis hatte.

Die Wassertarife waren von 1928 bis 1966 konstant geblieben, jetzt mussten sie drastisch erhöht werden, um die allgemeinen Kostensteigerungen aufzufangen.

 

Neue Verbrauchsgewohnheiten

Steigender Wohlstand machte sich bemerkbar
Steigender Wohlstand machte sich bemerkbar

Das Jubiläumsjahr 1967 – das Wasserwerk besteht 40 Jahre – brachte dem Land eine erste gravierende Wirtschaftskrise und eine Strukturkrise im Ruhrbergbau. Scheinbar unberührt davon war das Wasserwerk aktiv, verlegte weitere Leitungen und steigerte die Wasserförderung auf 2,9 Millionen Kubikmeter! Im Hauptwerk Fellerhöfe wurde der achte Brunnen gebohrt und 1968 in Betrieb genommen.

Dies war notwendig, weil sich die Verbrauchsgewohnheiten geändert hatten.

Bislang waren sie landwirtschaftlich geprägt, d. h. die Wasserabnahme richtete sich nach der Jahreszeit, stagnierte im Winter und schnellte im Sommer mit der Beregnung der Felder und Gärten in die Höhe.

1967 fand auch in der Bevölkerung ein Wandel statt: Die dichtere Besiedlung ergab stadtähnliche Verhältnisse – die bis dahin unregelmäßigen Abnahmemengen ergaben jetzt ein ausgeglicheneres Profil – von extremen Sommern einmal abgesehen.

Ein weiterer Grund für rückläufigen Verbrauch im Sommer war der steigende Wohlstand der Bevölkerung, da während der Urlaubszeit viele Haushalte leer standen.

1970 bis 1989

Die siebziger Jahre

1971 war der neunte Brunnen fertig und brachte weitere Förderreserven. Die Baumaßnahmen, die in den letzten Jahren ständig zunahmen, erforderten weitere Lagermöglichkeiten. Es bot sich an, den 300 Meter vom Wasserwerk entfernten Fellerhof zu übernehmen.

Durch den Gesellschaftsbeitritt der Gemeinde Vorst am 28. November 1969 erfuhr das Wasserwerk-Rohrnetz eine beachtliche Erweiterung.

Im Jahre 1970 wurde die kommunale Neugliederung vollzogen, was auch Auswirkungen auf das Versorgungsgebiet des Wasserwerks hatte. Willich, Anrath, Schiefbahn und Neersen schlossen sich zur Stadt Willich zusammen, St. Tönis und Vorst zur Gemeinde Tönisvorst. Osterath, Lank und Büderich vereinten sich zur Stadt Meerbusch.

Dezentralisierte Wasseraufbereitungsanlage
Dezentralisierte Wasseraufbereitungsanlage

Das Wasserwerk nutzte die Stagnation seines Abnehmerkreises (ca. 59.000 versorgte Einwohner) zur Konsolidierung. Höhere Tarife und gestiegener Absatz ergaben einen kräftigen Bilanzgewinn, der in den folgenden Jahren durch Reparaturen, Verstärkungen im Rohrnetz usw. bald wieder dahin schmolz.

Man erkannte, dass der kaufmännischen Geschäftsführung stärkere Bedeutung beigemessen werden musste. So trat der Gemeindedirektor a. D. Albert Krewinkel als kaufmännischer Geschäftsführer in das Wasserwerk ein, gleichzeitig wurde die Werkleitung in einen technischen und einen kaufmännischen Bereich eingegliedert.

Ein Meilenstein setzte das Jahr 1973, als im Wasserwerk Fellerhöfe eine dezentrale Wasseraufbereitungsanlage fertig gestellt wurde.

Projektiert vom technischen Geschäftsführer Gerhard Schietzelt und Experten der Technischen Universität Hannover galt diese Anlage in den Augen des Bundesamtes für Zivilen Bevölkerungsschutz als „beste geschützte Wassergewinnungs- und -aufbereitungsanlage der Bundesrepublik“

Erweiterung durch Niederkrüchten: nach dem „Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Mönchengladbach/Düsseldorf/Wuppertal vom 10.9.1974“ ging mit dem 1. Januar 1975 das Niederkrüchtener Wasserleitungsnetz, das zum Kreis Heinsberg gehörte, an den Kreis Viersen über, denn Niederkrüchten gehörte ab sofort zum neuen Kreis Viersen.

Niederkrüchten war der Ausgleich für die Gemeinden Büderich, Osterath und Lank (jetzt Meerbusch) sowie Hüls, das Krefeld zugeordnet wurde. Durch den Vertrag vom 15.1.1975 wurde also das Heinsberger Rohrnetz der Gemeinde Niederkrüchten an das Wasserwerk übertragen – was nicht ohne Folgen blieb.

Es musste der Gesellschaftervertrag geändert werden und der Name: Es hieß jetzt „Wasserwerk des Kresies Viersen GmbH“.

Niederkrüchten

Das Wasserwerk Niederkrüchten entsteht
Das Wasserwerk Niederkrüchten entsteht

Das Stammkapital wurde um 270.000 DM auf 2.060.000 DM erhöht, zwei Aufsichtsratsmitglieder kamen hinzu und der Gemeindedirektor von Niederkrüchten gehörte dem Aufsichtsrat an. Niederkrüchten liegt im südwestlichen Teil des Kreises Viersen, WIllich im südöstlichen – eine direkte Wasserversorgung war nicht möglich.

1977 – 50 Jahre Wasserwerk

50-JahreAlso musste ein Vertrag mit dem Kreiswasserwerk Heinsberg geschlossen werden, um die Wasserversorgung in Niederkrüchten zu sichern – ein unbefriedigender Zustand. Mit hohem finaziellen Aufwand wurde gebohrt, und ein neues Wasserwerk, Wer V (Niederkrüchten), ging im Oktober 1977 mit fünf Brunnen und einer Gesamtförderung von 500 m³/h ans Netz.

Dies alles geschah im Jubiläumsjahr 1977:

Am 21. Juli bestand das Wasserwerk des Kreises Viersen GmbH exakt 50 Jahre.

Auch zur Versorgungssicherheit wurde viel beigetragen: Die Bauarbeiten für die Notverbundleitung Viersen wurden 1979 abgeschlossen.

Eine solche Leitung dient dazu, im Störungsfall ausreichende Wassermengen anderer Wasserwerke in das eigene Netz einzuspeisen.

Die achtziger Jahre

Ausschnitt aus dem Rohrleitunssystem einer Aufbereitungsanlage
Ausschnitt aus dem Rohrleitunssystem einer Aufbereitungsanlage

Das vorletzte Jahrzehnt dieses Jahrtausends stand ganz im Licht der Sicherung der Wasserversorgung und der Verbesserung der Trinkwasserqualität. Noch im Dezember 1980 wurden die Bauarbeiten des Wasserwerks Fellerhöfe abgeschlossen. In Osterath wurde ein zweiter Brunnen in Betrieb genommen, ebenso wie die Transportleitung Anrath – Vorst. Sie führt über Kehn in das nördliche Gebiet von Vorst.

Der Probebetrieb der Aufbereitungs- und Speicheranlage Fellerhöfe erfolgte im Januar 1981, die Einweihung der Anlage im Dezember.

Die neue Aufbereitungsanlage Fellerhöfe ermöglicht die Entmanganung und Entsäuerung des über vier Brunnen gewonnenen Grundwassers. Der gleichzeitig errichtete 4.000 Kubikmeter fassende Trinkwasserbehälter trägt zu einer wirtschaftlichen Fahrensweise der gesamten Anlage bei und ist ein großer Schritt in der Verbesserung der Verbraucher.

Auch in Osterath wurde 1982 eine Aufbereitungs- und Speicheranlage fertig gestellt.

Kritisch war 1988 die Wasserqualität in den privaten Brunnen der Außengebiete, die bisher nicht an die öffentliche Versorgung angeschlossen sind.

In Willich und Vorst wurde damit begonnen, diese Außengebiete ans Netz anzuschließen.

Kooperation Land-/Wasserwirtschaft

Entnahme einer Bodenprobe
Entnahme einer Bodenprobe

1988 wurde die „Kooperation Landwirtschaft“ um das Gebiet Fellerhöfe (Kooperation Fellerhöfe / Osterath) gegründet, und im Oktober 1994 die „Kooperation Wasserwirtschaft / Landwirtschaft Anrath / Darderhöfe“ mit 38 Landwirten ins Leben gerufen.

Ziel dieser Zusammenschlüsse ist es, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Hinblick auf den Gewässerschutz nur bewusst und maßvoll einzusetzen und den unnötigen Nitrateinsatz zu vermeiden.

1996 wurden bereits über 60 Prozent der Flächen des Wassereinzugsgebietes grundwasserschonend bewirtschaftet.

1990 bis heute

Die neunziger Jahre

Im letzten Jahrzehnt letztes Jahrtausends standen beim Wasserwerk des Kreises Viersen zwei Schwerpunkte im Vordergrund:

Labor für Qualitässicherung
Labor für Qualitässicherung

Versorgungs- und Qualitätssicherung. Kontinuierlich wurden Leitungen erneuert. Das Labor erhielt neueste Analysegeräte mit entsprechenden Rechnern und mit der Planung für eine neue Trinkwasserenthärtungsanlage wurde begonnen.

Das Labor bekam neue Analysegeräte
Das Labor bekam neue Analysegeräte

Das Wasserwerk Willich GmbH entsteht

2004 wurde aus dem Wasserwerk des Kreises Viersen GmbH das heutige Wasserwerk Willich GmbH.

Trinkwasser und Nitrat

In unserem Versorgungsgebiet besteht als Folge jahrzehntelanger Überdüngung eine hohe Nitratbelastung des Bodens, die – mit Ausnahmen von Anrath-Darderhöfe – die Erdschichten bis zur Tiefe der normalen Brunnen erfasst hat.

Um die Nitratkonzentrationen nicht zu überschreiten, musste in Niederkrüchten nitratarmes Wasser erschlossen werden. Durch eine Mischung mit diesem nitratarmen Wasser sollte der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter NO³ eingehalten werden.

Die trotz allen Aufwandes gegenwärtig relativ wirtschaftlichste Maßnahme gegen diese Beeinträchtigung des Trinkwassers ist der Bau von Brunnen bis in Tiefen von 160 bis 200 m, die unbelastet sind. Wie schon zuvor in Niederkrüchten sind solche Tiefenbrunnen jetzt auch in WIllich Fellerhöfe (einer ist dort bereits vorhanden) und für Meerbusch Osterath geplant. Aus Ihnen wird so viel Wasser gefördert, wie notwendig ist, um durch Verschneiden mit belastetem Wassernachhaltig unter den gesetzlich festgelegten Grenzwert zu kommen.

Der Schutzbereich um das Wasserwerk Fellerhöfe konnte durch den Erwerb eines Grundstücks von 7,5 ha im Einzugsgebiet der Brunnen erweitert werden – auch eine Maßnahme der Qualitätssicherung des Trinkwassers.

Die Wasserhärte

Im Versorgungsgebiet des Wasserwerks wurden bis 1999 Wasserqualitäten mit unterschiedlichen Härtebereichen angeboten. Im Stadtgebiet Willich 1 und Schiefbahn war dies der Härtebereich 3, in Anrath, Neersen und Vorst 4, Niederkrüchten 2. Um zukünftig überall Härtebereich 2 anbieten zu können, beschloss der Aufsichtsrat am 5.12.1996 den Bau einer zentralen Enthärtungsanlage für über 16 Mio. DM. Mit dem Bau wurde im August 97 begonnen, Probeläufe erfolgten im Frühjahr 1999, und seit Spätherbst des gleichen Jahres wurden alle Stadtteile sowie Osterath, Vorst und St. Tönis mit Wasser des Härtebereich 2 beliefert.