Die Kraft des Wassers

Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und ein wahres Multitalent. Ob im Privathaushalt, in der Industrie oder der Landwirtschaft – ohne den Kraftspender aus der Natur wäre unser Leben nicht im Fluss.

Kaum ein Element ist so vielseitig, wie die wandelbare Flüssigkeit. Wasser kann kalt sein oder heiß, es kann gefrieren oder verdampfen, es kann Körper sanft umspülen oder Kraftwerke antreiben. Schon früh haben Menschen die vielfältigen Eigenschaften des flüssigen Rohstoffs genutzt. Wasser bewegte Mühlräder, wärmte den Boden in den ersten römischen Heizanlagen und diente den Menschen bei der Herstellung und Zubereitung von Nahrung.

Heute spielt der kostbare Rohstoff in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens eine Rolle. Nicht in jedem Fall ist dem Verbraucher dies bewusst: Wer sein neues Auto startet, denkt wohl kaum daran, dass zuvor rund 400.000 Liter Wasser in dessen Produktion geflossen sind. Auch wer genüsslich in einen Hamburger mit beißt, weiß eher nicht, dass bei dessen Herstellung rund 2.400 Liter Wasser verbraucht worden sind.

Beim Thema Wasser geht es ans Eingemachte. Denn: Für jeden einzelnen Menschen ist die farb- und geruchlose Flüssigkeit lebensnotwendig. Rund 60 Prozent des menschlichen Körpers bestehen aus Wasser. Der tägliche Genuss von 1,5 bis zwei Litern an Getränken ist deshalb unverzichtbar. Auch die Medizin hat die gesundheitsfördernde Wirkung längst erkannt und setzt auf Wechselbäder, kalte Güsse, Hydrotherapie, Aqua-Fitness oder die reinigende Kraft von Heilwasser.

Das alles ist möglich, weil in unseren geografischen Breiten genügend Ressourcen vorhanden sind. Wer Wasser benötigt, dreht den Wasserhahn auf und kann sich darauf verlassen, dass die Wasserversorgung ein Qualitätsprodukt liefert, das strengsten hygienischen Anforderungen entspricht und stets in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Die deutsche Trinkwasserverordnung setzt höchste Standards und die Wirtschaftsbetriebe Meerbusch übernehmen die zuverlässige Versorgung der Bürger vor Ort. Sie fördern das Rohwasser, übernehmen die Aufarbeitung und den Transport, pflegen das Leitungsnetz und kümmern sich um den Gewässerschutz. Warum die Kooperation mit den Landwirten dabei eine wichtige Rolle spielt, verrät der Leiter unserer Wasserwerke Rainer Scharl.

 

Interview mit Rainer Scharl

Das Wasser steht unter unserem ganz besonderen Schutz. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern aus der Landwirtschaft sorgen die Wirtschaftsbetriebe Meerbusch dafür, dass der lebensnotwendige Rohstoff von unnötigen Belastungen verschont bleibt. Rainer Scharl, Leiter der Wasserwerke in Willich und Meerbusch, begleitet die erfolgreiche Partnerschaft.

Beim Gewässerschutz ziehen die wbm und die Landwirte aus der Region an einem Strang. Weshalb ist diese Zusammenarbeit so wichtig?

Rainer Scharl: „Es geht bei dieser Partnerschaft vor allem darum, das empfindliche Gleichgewicht der Natur in der Balance zu halten. Landwirte und Wasserversorger arbeiten gemeinsam an Strategien, die dabei helfen, den stickstoffhaltigen Dünger auf den Feldern auf das notwendige Maß zu beschränken und das Grundwasser in unserem Fördergebiet vor vermeidbaren Belastungen zu schützen. Wir wollen verhindern, dass Nitrate in jene Bodenschichten vordringen, in denen sie von den Pflanzen nicht mehr erreicht werden können.“

Welche Maßnahmen sind dafür notwendig?

Rainer Scharl: „Unsere Zusammenarbeit basiert auf drei Punkten. Die Landwirte haben sich dazu bereit erklärt, die Felder auch in den Wintermonaten zu bepflanzen, um auf diese Weise Nährstoffe im Bewuchs zu binden. Diese Maßnahme wird von uns finanziell gefördert. Außerdem wird die Bodenbearbeitung am Jahresende möglichst weit in die Wintermonate hinein verschoben. Und letztlich unterstützen wir die Landwirte auch bei der Berechnung der tatsächlich erforderlichen Düngermengen.“

Das Bodenprobegerät im Einsatz auf dem Feld.
Das Bodenprobegerät im Einsatz auf dem Feld.

Wie funktioniert das?

„Unsere Mitarbeiter sind regelmäßig mit dem Quad auf den Feldern in den Wasserschutzzonen und Wassergewinnungsgebieten unterwegs. Sie entnehmen pro Jahr rund 3000 Bodenproben, die in unserem hauseigenen Labor auf ihren Nährstoffgehalt hin analysiert werden. Liegen die Ergebnisse vor, kommen als weitere Kooperationspartner die Fachberater der Landwirtschaftskammer ins Spiel. Sie erarbeiten gemeinsam mit den Landwirten aufgrund der aktuellen Werte eine individuelle Düngeempfehlung für die jeweilige Fläche.“

Wie viele Landwirte nehmen an dem Projekt teil?

Rainer Scharl: „Erfreulicherweise sind fast alle Landwirte in unserem Fördergebiet auf freiwilliger Basis zur Zusammenarbeit bereit. Wir freuen uns über ein zunehmendes Problembewusstsein und eine große Gesprächsbereitschaft. Letztlich kommt es doch allen zugute, wenn das Wasser möglichst unbelastet aus dem Boden kommt und ohne aufwändige technische Verfahren für den Verbraucher im Wasserwerk aufgearbeitet werden kann. Neben anderen Faktoren trägt deshalb auch die Kooperation zwischen wbm und Landwirtschaft dazu bei, dass die Preise für unser Wasser bereits seit mehreren Jahren stabil gehalten werden können.“